Esskultur
Ramen Knigge – Wie isst man eine Ramen?
Am Sprichwort „andere Länder, andere Sitten" ist durchaus etwas dran, wenn es darum geht Ramen Suppen zu essen. Erfahre alles Wissenswerte!
2020-10-07 6 min Lesezeit
Die wichtigste Regel: Slurpen ist Pflicht
Anders als in der westlichen Tischkultur ist lautes Schlürfen in Japan beim Ramen-Essen nicht nur erlaubt — es ist erwünscht. In Japan sagt man: Wer in eine Ramen-Nudel beißt, hat Pech. Genau deshalb wird leidenschaftlich geschlürft. Das Schlürfen kühlt die Nudeln, intensiviert das Aroma durch zusätzlichen Sauerstoff und ist ein Kompliment an den Koch.
Die richtige Reihenfolge
- Erst die Brühe probieren. Heiße Brühe direkt aus der Schale — bewertet die Kunst des Kochs.
- Dann die Nudeln. Mit Stäbchen heraushebem, in den Löffel legen, schlürfen. Niemals beißen.
- Toppings sparsam. Nicht alle Toppings auf einmal — verteile Chashu, Ei und Pak Choi über die Mahlzeit.
- Tempo zählt. Eine Ramen sollte in 5-10 Minuten gegessen sein. Sie kühlt sonst aus, die Nudeln werden weich.
Stäbchen-Etikette
- Nie senkrecht in eine Schale stecken — erinnert an Trauerrituale.
- Niemals Essen von Stäbchen zu Stäbchen reichen — ebenfalls Trauer-Konnotation.
- Keine Stäbchen kreuzen oder auf der Schale „abstützen".
- Niemals Essen aufspießen — Stäbchen sind keine Gabel.
- Nach Gebrauch parallel auf den Stäbchen-Halter (Hashioki) legen — bei Einweg-Variante zurück in die Papierhülle.
Rituale vor dem ersten Schluck
- Schuhe ausziehen. In traditionellen Ramen-ya stehen Schuhe vor der Tür und Hausschlappen warten innen. Garküchen und Counter-Bars sind die Ausnahme.
- Mit Verbeugung grüßen. Hände geben ist in Japan unüblich. Eine kleine Verbeugung beim Eintreten reicht.
- Oshibori — das feuchte Tuch. Wird vor dem Essen gereicht, ist ausschließlich für die Hände gedacht. Gesicht, Nacken oder Tisch damit abzuwischen ist ein Fauxpas.
Drei japanische Sätze, die jeder kennen sollte
- Itadakimasu (いただきます) — vor dem Essen gesprochen, etwa „Ich nehme dankend an". Kein „Guten Appetit", sondern Dank an die Köche, Bauern und Tiere.
- Oishii (美味しい) — „köstlich". Lässt sich jederzeit beim Essen einwerfen.
- Gochisōsama deshita (ごちそうさまでした) — nach dem Essen, etwa „Das war ein Festmahl". Das größte verbale Lob, das du dem Koch geben kannst.
In japanischen Ramen-ya
- Sofort hinsetzen, schnell essen. Ramen-ya sind keine Plauder-Orte. Tische sind oft Counter-Bars für Solo-Esser.
- Trinkgeld gibt es nicht. In Japan unüblich, manchmal sogar beleidigend.
- Kaedama — Nudelnachschlag bestellen. Standardpreis 100-200 Yen. Heißt: Du wirst gemocht!
- Reste der Brühe. Aussäuferei ist okay, muss aber nicht sein.
Häufige Fehler von Touristen
- Foto-Sessions, während die Brühe auskühlt — die Köche schämen sich!
- Mit anderen die Schale teilen — keine Familie-Style-Kultur.
- Sojasauce dazu kippen — ist schon in der Tare, mehr nicht nötig.
- Trinkgeld auf dem Tisch lassen — siehe oben.
Mehr über Ramen-Restaurants in Japan: Ramen-ya – Japanische Ramen Restaurants.