Zum Hauptinhalt springen
ramen·suppe
Rezept · Japanisch

Ramen-Nudeln selber machen (mit Kansui oder Backnatron)

Ramen-Nudeln selber machen mit gebackenem Natron als Kansui-Ersatz: das richtige Mehl, niedrige Hydration, Ruhezeit, Ausrollen mit der Nudelmaschine und Schneiden für Tonkotsu oder Miso.

Vorbereitung
45 min
Kochzeit
2 min
Portionen
4 Portionen (à ca. 120 g)
Niveau
Mittel
Zubereitung

Schritt für Schritt

  1. Natron backen

    50 g Natron dünn in eine Auflaufform aus Glas oder Keramik oder auf ein mit Backpapier belegtes Blech streuen — kein direkter Kontakt mit Aluminium. 1 h bei 120–130 °C Ober-/Unterhitze backen. Dabei wird aus Natron Natriumcarbonat, das wie Kansui wirkt. Abkühlen lassen und mit Handschuhen in ein beschriftetes Schraubglas füllen. Kontrolle: Das Pulver ist rund ein Drittel leichter geworden (aus 50 g werden ca. 32 g).

  2. Alkalisches Wasser anrühren

    125 g kaltes Wasser abwiegen, 5 g gebackenes Natron und 4 g Salz darin vollständig auflösen. Die Lösung ist stark alkalisch — Handschuhe tragen und Spritzer in die Augen vermeiden.

  3. Mehl mischen

    Mehl und Weizenkleber in einer großen Schüssel gründlich vermischen. Das alkalische Wasser in drei Portionen dazugeben und nach jeder Portion mit einer Gabel oder den behandschuhten Fingern verreiben, bis gleichmäßig feuchte, grobe Krümel entstehen (ca. 5 min). Der Teig wirkt viel zu trocken — das ist bei dieser niedrigen Hydration richtig. Kein Wasser nachgießen.

  4. Teig zusammenpressen

    Die Krümel in einen Gefrierbeutel füllen, Luft herausdrücken und den Beutel mit den Handballen oder einem Nudelholz kräftig zu einer flachen Platte pressen. Der Teig hält jetzt lose zusammen, sieht aber noch rissig aus.

  5. Ruhen lassen

    Den verschlossenen Beutel (oder vakuumiert) 1–2 h bei Zimmertemperatur ruhen lassen. In dieser Zeit zieht das Wasser gleichmäßig ins Mehl, und das Gluten entspannt sich. Danach ist der Teig deutlich geschmeidiger.

  6. Vorwalzen

    Teig in 4 Stücke teilen, die übrigen im Beutel lassen. Ein Stück flach drücken und durch die dickste Stufe der Nudelmaschine drehen. Die Platte falten und erneut durchlassen, insgesamt 4–5 Mal, bis sie glatt und zusammenhängend ist. Bröselnde Ränder einfach mit einfalten.

  7. Dünn ausrollen

    Die Platte Stufe für Stufe dünner walzen, bis etwa Stufe 5–6 (je nach Modell ca. 1–1,5 mm). Für dickere Miso-Nudeln eine Stufe früher aufhören. Die Platte beidseitig dünn mit Stärke bestäuben.

  8. Schneiden und formen

    Mit dem feinen Schneidaufsatz oder per Messer in 1–1,5 mm breite Streifen schneiden — gerade für Tonkotsu. Für Miso-Ramen dickere Streifen (ca. 2 mm) schneiden und eine Portion lose in der Hand kräftig zusammendrücken, so entstehen die typischen Wellen. Jede Portion (ca. 120 g) mit Stärke bestäuben und locker zu einem Nest legen.

  9. Kochen

    Reichlich Wasser sprudelnd aufkochen und die Nudeln portionsweise hineingeben, kurz mit Stäbchen auflockern. Dünne Nudeln 1–1,5 min, dicke 2 min kochen, dann probieren: Sie sollen fest und federnd sein. Gut abtropfen lassen und sofort in die heiße Brühe geben, nicht abschrecken.

Zeitplan: rund 45 min aktive Arbeit, dazu 1–2 h Ruhezeit für den Teig. Das Natron backst du einmalig 1 h vor — es hält verschlossen sehr lange, beim nächsten Mal entfällt der Schritt. Was Ramen-Nudeln von anderen Nudeln unterscheidet, erklären wir ausführlich im Guide zu Ramen-Nudeln.

Welches Mehl? Die ehrliche Antwort für Deutschland

Japanische Ramen-Shops arbeiten mit speziellem, eiweißreichem Weizenmehl. Im deutschen Supermarkt gibt es das so nicht. Ziel sind etwa 12–14 g Eiweiß pro 100 g Mehl — das steht in der Nährwerttabelle auf der Packung.

  • Type 550 + Weizenkleber: Type 550 liegt meist darunter. Mit 20 g Weizenkleber (Gluten-Pulver aus Bioladen, Reformhaus oder online) auf 330 g Mehl kommst du in den richtigen Bereich. Das ist die zuverlässigste Variante.
  • Manitoba- oder Brotmehl: Diese Mehle haben von Haus aus mehr Eiweiß. Dann 350 g davon ohne zusätzlichen Weizenkleber verwenden.
  • Type 405 oder Tipo 00 funktionieren auch, die Nudeln werden aber weicher und verlieren in heißer Brühe schneller ihren Biss.

Kansui, gebackenes Natron und Sicherheit

Kansui ist ein alkalisches Salz (Natrium- und Kaliumcarbonat). Es macht Ramen-Nudeln gelblich, fest und federnd und gibt ihnen ihren typischen Geschmack. Im Asia-Markt gibt es Kansui als Pulver oder Flüssigkeit — bei Flüssig-Kansui die Dosierung der Packung beachten, die Konzentration ist unterschiedlich.

Der Hausmacher-Ersatz ist gebackenes Natron: Beim Erhitzen gibt Natron Wasser und Kohlendioxid ab und wird zu Natriumcarbonat. Das ist chemisch deutlich stärker alkalisch als normales Natron. Deshalb:

  • Beim Abfüllen und Abwiegen Handschuhe tragen, Kontakt mit den Augen vermeiden.
  • Das feine Pulver nicht einatmen — vorsichtig umfüllen, nicht pusten.
  • Kein Aluminium: Alkalische Stoffe greifen Aluminium an. Glas, Keramik, Edelstahl oder Backpapier verwenden.
  • Im beschrifteten, dicht verschlossenen Glas lagern, außer Reichweite von Kindern — und nie mit Natron oder Backpulver verwechseln.

Mehr ist nicht besser: Über etwa 1,5 % vom Mehlgewicht schmecken die Nudeln seifig-bitter.

Dicke und Form: Welche Nudel für welche Brühe?

  • Dünn und gerade (1–1,5 mm): klassisch für Tonkotsu Ramen. Sie garen in gut einer Minute und nehmen die cremige Brühe gut auf.
  • Dicker und wellig (ca. 2 mm): passt zu kräftigen Brühen wie Miso Ramen. Die Wellen halten mehr Suppe.

Für Ausrollen und Schneiden reicht eine handelsübliche Pastamaschine. Worauf es beim Kauf ankommt, steht in unserer Nudelmaschinen-Kaufberatung.

Häufige Fehler

  • Wasser nachgießen, weil der Teig krümelt. Genau diese trockene Konsistenz macht später den Biss aus. Die Ruhezeit erledigt den Rest.
  • Ruhezeit überspringen. Ohne Ruhe reißt der Teig in der Maschine und wird nicht glatt.
  • Zu wenig Stärke. Frische Nudeln kleben schnell aneinander. Lieber großzügig bestäuben und vor dem Kochen abschütteln.
  • Zu lange kochen. Frische Nudeln sind nach 1–2 min fertig. Sie garen in der heißen Brühe noch nach.
  • Zu wenig Kochwasser. In einem kleinen Topf kühlt das Wasser ab und die Stärke macht es klebrig. Lieber portionsweise kochen.

Aufbewahrung

Frische Nudeln mit Stärke bestäubt und luftdicht verpackt halten im Kühlschrank 2–3 Tage. Viele Ramen-Shops lassen ihre Nudeln bewusst einen Tag ruhen — der Biss wird dadurch oft noch besser. Zum Einfrieren die Portionen einzeln verpacken. Gefrorene Nudeln nicht auftauen, sondern direkt ins kochende Wasser geben und etwa 30 Sekunden länger garen. Die passende Brühe und alle Bausteine einer Schale findest du im Guide Ramen selber machen.